Bereits in der fünften und sechsten Generation wird in der Familie Schumacher Weinbau betrieben. Immer wieder wurde das Weingut in Wormeldingen erweitert und vergrößert, jetzt haben Vater und Sohn eine Aussiedlung an der Route du Vin gebaut, damit sie funktionaler arbeiten und die Gäste in einem modernen Ambiente begrüßen können. Am 15. Juli ist die Einweihungsfeier, am 16. Juli Tag der offenen Tür.
Weithin sichtbar prangt das rote S für Schumacher an der Frontseite des modernen Neubaus in Wormeldingen an der Mosel. Der würfelförmige Bau, der in verschiedenen Grautönen abgesetzt ist, hat viele großflächige Glaselemente zur Mosel hin und die Fahnen vor der Tür zeigen an, dass es sich hier um das Weingut Schumacher-Lethal et fils handelt. Seit sechs Generationen wird Weinbau hier mit Leidenschaft betrieben; bis in die 70er-Jahre hinein gehörte auch noch die Landwirtschaft dazu. Derzeit betreiben Monika und Erny Schumacher den Betrieb gemeinsam mit Sohn Tom.
Stetig ist die Rebfläche des Weinguts gewachsen und immer wieder war es nötig, zu erweitern. Erny Schumacher war eins von vier Geschwistern und es war schon früh klar, dass er den Weinbaubetrieb übernehmen sollte. 1973 hat er im Betrieb angefangen, 1975 geheiratet. Zuerst hat er den Betrieb neben seinem Schichtdienst bearbeitet, 1984 hat er ihn übernommen.
Bereits 1982 begannen die ersten Umbauten in der Kellerwirtschaft, die Holzfässer wurden durch Edelstahltanks ersetzt. Erny Schumacher erklärt: „Mein Vater hat damals noch viel Wein an den Großhandel verkauft, das wollten meine Frau und ich anders machen. Wir haben uns die Kundschaft, bei der wir uns auch bedanken wollen, über viele Jahre aufgebaut.“ 1988 war der Keller zu klein, es wurde vergrößert. 1992 kam der erste Crémant und die Kunden waren von ihm begeistert. Auch in diesem Jahr erhielt der Crémant des Hauses beim „Concours national des crémants de France et du Luxembourg“ eine Goldmedaille.
Durch die steigende Produktion des Crémant wurde es wieder eng. Der Winzer erzählt: „Wir mussten dauernd alles umräumen, wenn wir abgefüllt haben oder etikettieren mussten, das war alles sehr mühsam.“ 1997 hat die Familie dann einen weiteren Kellerraum gekauft und dort während der Traubenlese die Maschinen zur Abfüllung und Etikettierung abgestellt.
Inzwischen ist aber auch das Verkehrsaufkommen durch Wormeldingen gewachsen, so dass ein Arbeiten mitten im Ort immer schwieriger wurde. „Im Herbst war es immer sehr schwierig, die Trauben abzuladen, wegen des Verkehrs, und dann ist ab 2006 der Gedanke, auszusiedeln, immer mehr gereift.“ Zunächst hatte der Winzer drei mögliche Standorte für das neue Betriebsgebäude im Sinn. Der erste war aber nicht optimal, weil er mit LKWs nicht gut anzufahren war, der zweite war für Ortsunkundige schwer zu finden und so entschied man sich für das Grundstück direkt an der Weinstraße, am Ortsausgang Richtung Grevenmacher.
Der neue Keller an der Weinstraße
Klar war, dass der Arbeitsbereich auf einer Ebene sein und dass für die Gäste eine moderne Weinstube entstehen sollte. Erny Schumacher hat die Pläne für sein neues Gebäude selbst entworfen, sie immer wieder mit seinem Sohn durchgesprochen und schließlich haben Vater und Sohn gemeinsam entschieden. In wochenlanger Arbeit hat Erny Schumacher ein Modell aus Styropor gebaut, um es für alle anschaulich zu machen und zu sehen, wo man noch etwas verbessern könnte. Mit dem Architekturbüro Beng wurde das Konzept des Winzers dann umgesetzt.
Herausgekommen ist ein 20 x 43 Meter großes funktionales Gebäude, in dem es sich für die Winzer gut arbeiten lässt, mit kurzen Wegen und auf einer Ebene. Es gibt einen Keller, einen Abfüllbereich, die Traubenpresse, das Lager und einen Keller für die Barriquefässer. Auch die technische Ausstattung ist auf dem neuesten Stand. Die Trauben können aus dem Weinberg direkt ohne zu pumpen auf die neuen Kelter gebracht werden, was für die schonende Verarbeitung der Trauben sehr wichtig ist. Daneben verfügt das Gebäude über eine computergesteuerte Kühlanlage, die für die richtige Temperatur in den Weintanks sorgt und Alarm schlägt, wenn zu hohe Temperaturabweichungen eintreten. Das Kellerbuch kann ebenfalls PC-gesteuert geführt werden. Durch die neue Technik kann die Maischestandzeit verlängert werden, damit das Aroma der Weine noch besser zum Tragen kommt. Dazu sind ein Büro und ein Labor im Obergeschoss gebaut worden.
Die Weinstube „Am Wäibour“
Die Weinstube mit 48 Plätzen hat ein Schreiner aus Winningen (D) entworfen und umgesetzt. Dort erwartet die Besucher ein heller offener Raum, mit Blick auf die Mosel, der mit einem frischen Lindgrün sehr lebendig wirkt.
Das dunkle Nussbaumholz gibt der Lounge eine gemütliche Note. In den quadratisch angeordneten Regalfächern sind die Weine des Guts ausgestellt und in der obersten Regalreihe sorgt gedämmtes Licht in unterschiedlichen Farben für eine entspannende Atmosphäre.
In einer Küche können Kleinigkeiten für die Gäste zubereitet werden. „Wir wollen hier nur Kleinigkeiten anbieten, bei größeren Veranstaltungen wie Betriebsfeiern oder Geburtstagen kann das Essen von einem Catering-Service zubereitet werden“, so Schumacher.
In Zukunft will das Weingut an jedem Sonntag einen Winzerlunch anbieten, bei dem man nach Reservierung zu einem Buffet von Spitzenkoch Joël Schaeffer aus Mertert die Weine des Betriebs trinken kann. „Wir wollen dem Tourismus hier an der Mosel eine Anlaufstelle bieten und unseren Kunden einen modernen Raum, in dem sie sich wohl fühlen“, erklären Vater und Sohn. Sie stehen ihren Kunden gerne zur Verfügung und führen auch einmal durch den Keller.
Das Weingut stellt sich vor
Das Weingut Schumacher-Lethal et Fils verfügt über insgesamt neun Hektar Rebfläche in Wormeldingen und der näheren Umgebung. Pro Jahr werden 70 000 Flaschen Wein und Crémant produziert. Angebaut werden die typischen Rebsorten Luxemburgs, wie Elbling, Rivaner, Auxerrrois, Pinot gris, Pinot blanc, Gewürztraminer, Chardonnay, Riesling in vier verschiedenen Lagen, Pinot noir, einen weiß ausgebauten Pinot noir, einen Rosé und einen Weißen sowie einen Rosé Crémant brut. Neu dazu gekommen ist ein kräftiger Frühburgunder, der tiefrot ist, einen samtigen Geschmack hat und sich sehr gut für den Barriqueausbau eignet.
Für Erny Schumacher und seinen Sohn, der in Bad Kreuznach seine Ausbildung zum Weintechniker gemacht hat, fängt das Weinmachen im Weinberg an. Sie arbeiten biodynamisch, mit mehr Flora im Weinberg, damit sich mehr Lebewesen dort ansiedeln. Im August werden die Trauben ausgedünnt, um höhere Qualitäten bei niedrigeren Erträgen zu bekommen. Die Trauben werden von Hand gelesen.
(Text: Elly Westhöfer / Fotos: Christina Bents)